10 Wochen war ich also unterwegs. Erica, die ich zu Beginn und Ende meiner Reise getroffen habe, meinte noch, wie schnell denn die Zeit vergangen ist. Ebenso Franklin, den ich vor 5 Wochen und vor wenigen Tagen gesehen habe.

Mir selbst erscheint die Zeit wie eine Ewigkeit. Fern ist die Erinnerung an die Arbeit. Fern die Gedanken von damals. Fern das Leben vor dieser Reise.
10 Wochen. Selbst mir scheint es zu viel, mit wie vielen Erlebnissen, Gedanken, Emotionen, mit wie viel Leben man eine solche Zeit füllen kann.
Manchmal bin ich überwältigt und traurig, wenn mir neue Bekannte aus Brasilien schreiben, wie cool die gemeinsame Zeit war. Gleichzeitig glücklich, dass ich diese Leute treffen konnte und die gemeinsame Zeit genießen konnte.
Jetzt verstehe ich wirklich, was Saudades bedeutet. Und ja, es ist kaum zu übersetzen, man muss es wohl wirklich fühlen, um es zu verstehen.
Ich habe in den 10 Wochen wunderschöne Sachen gesehen. Praia dos Carneiros, die Insel Boipeba, Rio, Foz do Iguaçu, São Paulo, Salvador, hatte eine tolle Zeit in Recife und Olinda, Natal, João Pessoa, Praia dá Pipa und Praia do amor, eine unvergessliche und ermüdende Zeit in Manaus und im Amazonas, ein paar nette Stunden in Belem und São Luís, einen unvergesslichen Sonnenuntergang in den Lençóis maranhenses, nochmal eine coole Zeit in Recife und dann noch die Gelegenheit Reisebekanntschaften in Rio und São Paulo wiederzusehen.
Und natürlich war nicht alles schön. Am Strand von Rio würde den Nachbarn das Geld gestohlen, die dutzenden Obdachlosen, die den Vorplatz der Kathedrale in São Paulo bevölkern, die Städte im Norden, in denen man sich nach 17 Uhr zu Fuß nicht mehr vor die Tür wagt, die politischen Probleme, über die ständig gesprochen werden, die ständige Angst vor Gewalt und die Nachrichten, die täglich davon berichten… Und mir selbst wurde ja das Handy und ein paar Sachen am Strand von Fortaleza gestohlen. Die Probleme in diesem Land kann man also auf keinen Fall verleugnen.
Und trotzdem, neben den vielen schönen Erlebnissen und wenigen unschönen Erlebnissen sind es nicht die Orte, die diese Reise geprägt haben, sondern die Menschen. In kaum einer Zeit in meinem Leben war ich so vielen Menschen so nah. Es braucht hier keine gemeinsame Vergangenheit um Freundschaft zu schließen. Freundschaft ist, wenn man sich gut versteht, dass man von vielen sowieso Hilfe erwarten kann, wenn man sie braucht, scheint selbstverständlich. Gut, vielleicht habe ich auch nur solche Leute getroffen, aber sei’s drum, diese Leute haben meine Zeit in Brasilien geprägt und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
In diesem Sinne: Adeus Brasil, ich würde mich auf ein baldiges Wiedersehen freuen.