Im Flieger nach Recife, Zeit für ein Resümee.

Viele Eindrücke und viele Gespräche prägen mein Bild dieser Stadt. Sei es der schmächtige Typ am Strand, der mir erzählt, dass er heute schon Anabolika gespritzt hat, um bei den Frauen besser anzukommen. Sei es die Professorin, die sich über die Politik beschwert aber genauso offen über Beziehungsarten spricht. Der Arzt im Kurs, der in Brasilien Fuß fassen möchte. Ed, der mich drei mal zu einer Drag-Queen Show einladen will. Renato, der mir die schicke Marina zeigt und von seinem geplanten Urlaub in Europa spricht. Der verrückte Typ im Bus, der nachdem er merkt, dass ich Ausländer bin, mir die europäischen Länder mit den jeweiligen Hauptstädten aufzählt. Usw…
Salvador ist eine vielseitige Stadt. Die Stadt mit den meisten Schwarzen in Brasilien. Ein bunter Mix aus Kulturen, freundlichen und hilfsbereiten Menschen. 
Armut ist präsent, überall. Was nicht heißt, dass die Leute generell arm sind. Im Gegenteil, die meisten leben vielleicht nicht im großen Luxus, schämen müssen sie sich aber auch nicht. 
Traurig ist, dass ein gewisses Unbehagen auf der Straße (vor allem am Abend) an der Tagesordnung steht. Vor allem im Zentrum merkt man, dass sich viele komische Gestalten herumtreiben. Und trotzdem habe ich den Eindruck, dass sich die armen Leute hier sehr bemühen, um legal über die Runden zu kommen. Z.B. indem sie Chips im Bus verkaufen, Wasser am Strand verkaufen oder schlichtweg Dosen einsammeln, um Pfand zu kassieren.
Die Einwohner lieben jedenfalls ihre Stadt und ihr Bundesland Bahia. Das historische Zentrum ist sehr schön, man ist umgeben von Meer und Stränden, das Wetter ist die meiste Zeit super und dir Leute sind generell sehr herzlich.
Aber könnte ich hier leben? Eher nein. Der öffentliche Verkehr ist mühsam und die Angst vor Kriminellen immer präsent. Man kann zwar flanieren und spazierengehen, die schönen Orte beschränken sich aber doch auf die Strände und ein paar wenige Plätze in der Stadt. Der Rest ist entweder banal und uninteressant oder heruntergekommen. Alles dauert hier länger, das Warten auf den Bus, die Kellner sind langsam und man muss trotzdem mehr planen. Zum Beispiel in der Früh Rucksack packen mit Fotoapparat und Sachen für den Strand geht nicht. Die Gefahr ist zu groß, dass etwas gestohlen wird. Vermutlich nimmt man die Stadt auch anders wahr, wenn man ein eigenes Auto hat (dann aber von einem teuren Parkhaus zum anderen fährt, dafür aber in den schickeren Orten absteigen kann).
Es war jedenfalls eine schöne und interessante Erfahrung. Jetzt geht's nach Recife und Olinda, ich bin gespannt wie's weitergeht. 🙂